Website-Relaunch: Der komplette Guide

Für Unternehmen ist die Website wie ein Haus. Wie jedes Zuhause wirkt diese, trotz regelmäßiger Deko-Updates, irgendwann überladen und altmodisch. Dann ist es Zeit für eine größere Renovierung – einen Website-Relaunch.

Jeder Website-Relaunch ist eine aufregende Aufgabe, eine große Chance – und ganz schön viel Arbeit. Das betrifft Sie selbst genauso wie andere Stakeholder, die in der Regel bereits mit bestehenden Aufgaben ausgelastet sind. Daher ist es wichtig, den Zeitpunkt und das Ausmaß Ihres Relaunches sinnvoll zu planen.

Userlikes Homepage 2018.
Userlike-Website vor dem Relaunch (2018).
Userlike homepage nach dem relaunch 2019.
Userlike-Website nach dem Relaunch (2019).

Was ist ein Website-Relaunch

Ein Relaunch bezeichnet eine “Wiedereinführung” oder einen “Neustart”, beispielsweise von einem Produkt. Die Definitionen zu “Website-Relaunch” unterscheiden sich je nach Kontext. In der Regel bezieht sich der Begriff auf technische und strukturelle Aspekte, während sich ein “Website-Redesign” auf visuelle Aspekte beschränkt.

Da Sie wahrscheinlich das Ziel verfolgen, Ihre gesamte Website zu verbessern und Probleme zu beseitigen, halten wir uns aber nicht mit diesen Feinheiten auf, sondern behandeln alle wichtigen Aspekte, die bei der Umgestaltung einer Website anfallen.

Für einen erfolgreichen Website-Relaunch sind drei Dinge ausschlaggebend: Zu wissen, warum Sie einen Website-Relaunch durchführen, wo Sie Ihre Prioritäten setzen und wie Sie eine stichfeste Roadmap erstellen.

Selbst bei guter Planung wird das Projekt vielleicht bei einigen in Ihrem Team für Fragezeichen sorgen. Mögliche Bedenken gibt es häufig bei den Themen SEO-Ranking oder der Design-Konsistenz.

Dieser Beitrag führt Sie sicher durch die wichtigsten Schritte und versorgt Sie mit nützlichen Ressourcen und Tools, mit denen Sie selbst tiefer in die Materie einsteigen können.

  1. Warum ein Website-Relaunch?
  2. Rollen festlegen und Stakeholder einbinden
  3. Problemlösungen skizzieren und Grundsätze aufstellen
  4. Ihre wertvollsten Seiten schützen
  5. Ein Redesign durchführen
  6. Digitale Kontaktkanäle hinzufügen
  7. Daten erheben und Anpassungen vornehmen

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Warum ein Website-Relaunch?

In Ihrem Haus werden Sie den einen oder anderen Kratzer oder tropfenden Wasserhahn ignorieren können. Doch wenn Ihnen ein gelöster Dachziegel beinahe auf den Kopf fällt, wissen Sie, dass es Zeit ist, etwas zu verändern. Auf einer Website sind die Signale häufig weniger auffällig.

Bevor Sie mit dem eigentlichen Website-Relaunch beginnen, erstellen Sie eine Liste mit aktuellen Problemen. Notieren Sie jeweils, wie sich der Ist-Zustand vom angestrebten Soll-Zustand unterscheidet.

Es gibt drei Hauptquellen, um die Lage Ihrer Website auszuwerten: Performance-Kennzahlen, Kundenfeedback und Ihr Bauchgefühl. Schauen wir uns diese jeweils genauer an.

Kennzahlen

Wahrscheinlich hat jeder in Ihrem Unternehmen eine Meinung zu Ihrer Website. Diese werden in verschiedenste Richtungen laufen, was es schwer macht, konkrete Handlungsschritte abzuleiten. Beachten Sie außerdem, dass sich die Nutzererfahrung von Ihnen und Ihrem Team stark von der Ihres durchschnittlichen Kunden unterscheidet. Sie sehen Ihre Webseite täglich; Sie werden sich viel schneller daran “satt sehen” und das Gefühl bekommen, dass es Zeit für ein Update ist.

Zahlen sind der Gegenspieler zu subjektiven Vermutungen. Bevor Sie sich also eine komplett neue Website erträumen, schauen Sie nach auffälligen Kurven und Konstanten in Ihren wichtigsten Kennzahlen.

Ein Graph mit Höhen und Tiefen.

Dazu zählen typischerweise:

  • Conversion-Rate
  • Käufe
  • Seitenaufrufe
  • Absprungraten
  • Website-Geschwindigkeit

So haben Sie eine solide Entscheidungsgrundlage zur Hand. Beliebte Tracking-Tools sind Google Analytics , Matomo und Hotjar sowie Google PageSpeed Insights .

Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, was gute und schlechte Werte sind, hilft Ihnen die Methode des Benchmarking Dabei vergleichen Sie Ihre Seitenperformance mit den Branchenstandards und direkten Mitbewerbern.

Neben den Daten, die Sie selbst über Ihre Webseite sammeln, ist die Website-Performance innerhalb von Suchmaschinen ein entscheidendes Kriterium. Wie ein ultimativer Power-User besucht Googles Crawler Ihre Webseite regelmäßig, um Ihre Website von der Keyword-Relevanz bis zur Aktualität zu durchleuchten. Ladegeschwindigkeit und mobile Nutzerfreundlichkeit eingeschlossen.

Das bedeutet, dass die Entwicklung Ihres Suchmaschinen-Rankings nicht nur einen Schluss auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO) Ihrer Website zulässt, sondern auch auf die User-Experience allgemein. Für eine ausführliche SEO-Analyse stehen Ihnen Tools wie Ahrefs , Semrush oder Moz zur Verfügung.

Die Definition von Erfolg und Misserfolg Ihres Website-Relaunchs hängt von Ihren gesteckten Zielen ab. Beginnen Sie deshalb damit, bei der Suchmaschinenoptimierung Ziele und Daten zu vergleichen, indem Sie nach einigen dieser relevanten Kennzahlen Ausschau halten:

  • Ranking für relevante Keywords (im Vergleich zur Konkurrenz)
  • Suchbegriffe, die Nutzer verwenden, bevor sie Ihre Seite finden
  • Verhältnis von Besuchen zu generierten Leads
  • Content, der Leads generiert (z.B. Blogbeiträge oder Lead-Magneten wie E-Books)
  • Verhältnis von mobilen zu Desktop-Nutzern
  • Beliebte und weniger beliebte Seiten

Einige Kennzahlen sind teils nur abhängig von Ihrer Website und teils von Ihren Marketing-Kampagnen auf anderen Kanälen, wie Social Media oder Werbebannern. Es geht um die sinnvolle Abstimmung beider Seiten. Diese Kennzahlen sind hier wichtig:

  • Pay per Click (PPC)/ Cost per Lead (CPL)
  • Besuche und Leads durch Social Media
  • Monatliche Besuche durch Backlinks
  • Marketingkosten insgesamt pro Lead

Kunden-Feedback

Das Feedback Ihrer Kunden mag subjektiv sein, aber es ist für gewöhnlich ehrlich und spezifisch. Leider werden nur wenige Kunden ihre Zeit opfern, um ihre Meinung mit Ihnen zu teilen. Die meisten Kunden, die ein Problem mit Ihrer Seite haben, werden sich nicht damit aufhalten, dieses zu äußern. Sie sind bereits auf der Suche nach einer Alternative.

Es gibt eine Vielzahl an Tools , mit denen Sie Kundenfeedback auf Ihrer Website sammeln können. Auch Profile auf Bewertungsplattformen wie G2 , Capterra oder Trustpilot . sind hilfreich. Doch unserer Erfahrung nach ist das wertvollste Kundenfeedback indirekt.

Wenn Sie einen Live-Chat , auf Ihrer Website eingebunden haben, erhalten Sie anhand der Fragen, die Kunden im Chat stellen, indirekt Aufschluss darüber, welche Teile Ihrer Webseite verwirrend, unlogisch oder fehlerhaft sind.

Bild des Customer Satisfaction Scores.

Bekommen Sie zum Beispiel laufend Fragen zu Ihren Lieferkosten, wissen Sie, dass die Information auf Ihrer Seite entweder schwer zu finden ist oder gar fehlt. Klicken Sie hier , um zum Artikel-Abschnitt zu springen, in dem es um das Hinzufügen eines Kontaktskanals innerhalb des Website-Relaunch-Projekts geht.

Eine andere gute Möglichkeit bieten Kundeninterviews . . Dabei können Sie nicht nur wertvolle Erkenntnisse über die Erfahrungen Ihrer Kunden gewinnen, sondern erhalten auch Einblick in ihre Bedürfnisse und Erwartungen . Wenn es bei Ihrem Relaunch nicht nur um das Ausmerzen von Fehlern geht (und das sollte nicht der Fall sein!), sind qualitative Kundeninterviews das Mittel der Wahl.

Seit wir 2020 begonnen haben, Kundengespräche zu führen, hören wir die Wörter, die unsere Kunden verwenden, um Ihre Bedürfnisse zu beschreiben. Unsere Website-Texte klingen im Vergleich dazu auf einmal kryptisch. Mit unserem nächsten Relaunch planen wir daher, wesentlich mehr Begriffe und Sätze zu verwenden, die unsere Kunden tatsächlich verwenden.

Sammeln und Kategorisieren Sie das Feedback in einer speziellen Plattform, beispielsweise in Asana . Das macht es leichter, das Feedback zu quantifizieren, zu sehen welche Probleme besonders häufig auftreten und entsprechend datengestützte Entscheidungen für den Website-Relaunch zu treffen.

Ihr unfehlbares Bauchgefühl

Das Bauchgefühl ist von subjektiven Eindrücken geprägt. Entsprechend wird es weder Ihre Kollegen noch Sie selbst überzeugen, wenn Sie “ein ungutes Gefühl” bei einer Sache haben. Trotzdem sollten Sie Ihr Bauchgefühl keineswegs missachten.

Es stimmt, dass es schwerer ist, das Website-Design auszuwerten als zum Beispiel die Website-Geschwindigkeit. Es geht dabei vor allem um Ästhetik, welche subjektiv und ständig im Wandel ist. Doch wenn Sie Ihre Website oder Ihr Produkt gut kennen, steht Ihr Bauchgefühl im Zusammenhang mit einer Reihe störender Nutzungsszenarien. Um das als wertvolle Informationsquelle zu nutzen, müssen Sie diese offenlegen.

Wenn beispielsweise das Gefühl aufkommt, dass Sie sich am Design Ihrer Website satt gesehen haben, haben Sie vielleicht unterbewusst einige andere Seiten besucht, gegen die Ihre eigene im Vergleich veraltet erscheint.

Um Ihre Intuition zu konkretisieren, bietet es sich an, einen systematischen Vergleich zwischen Ihrer eigenen und externen Websites durchführen. In diesem notieren S notieren, in welchen Merkmalen sie sich unterscheiden und warum eine der anderen überlegen ist. So decken Sie konkrete Designaspekte auf, die Sie nach Priorität sortieren und entsprechend angehen oder ignorieren können.

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Rollen festlegen und Stakeholder einbinden

Ihre Website ist das Gesicht Ihres Unternehmens und spiegelt die Arbeit vieler Mitarbeiter wider. Einige von ihnen werden direkten Einfluss und Veto-Rechte haben, meistens ist das die Geschäftsführung, alle anderen haben nur starke Meinungen.

Stakeholder-Management ist daher ein entscheidender Teil des Website-Relaunch. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Erfolg eines Relaunch oft mit den Entscheidungen in dieser frühen Phase steht oder fällt. Bevor Sie eine Roadmap erstellen, sollten Sie die Weichen stellen.

In dieser Hinsicht haben wir während unserer letzten Relaunches zwei Fehler gemacht , aus denen Sie lernen können:

  1. Keine Rollen festlegen. Wir haben nicht genau festgelegt, welche Rolle die verschiedenen Stakeholder eigentlich haben. Zwischen dem Projektmanager und unserem CTO gab es bei manchen Punkten Uneinigkeit. Wer hat also die Hoheit über die finale Entscheidung? Um solche Konflikte zu vermeiden, ist es hilfreich, Rollen klar zu definieren.
  2. Isoliert arbeiten. Der Projektmanager sammelte Feedback von unserem CEO, organisierte aber keine weiteren Feedbackrunden. Feedback wurde nur zu Beginn des Projekts von den primären Stakeholdern eingeholt und am Ende von allen Mitarbeitern anhand einer anonymen Umfrage.

Das werden wir in Zukunft anders machen:

  • Die Rollen der Stakeholder klar festlegen , zum Beispiel in Anlehnung an das ARPA-Modell .
  • Feedback zur aktuellen Website von allen im Unternehmen sammeln. Wenn es die Unternehmensgröße erlaubt, ansonsten von mehreren Vertretern verschiedener Abteilungen. Am besten nicht anonym, da Sie die Meinungen der Teilnehmenden dann nicht nach individueller Perspektive und Erfahrung gewichten können.
  • Weitere Feedbackrunden während des Relaunch-Projekts einplanen. Von den Haupt-Stakeholdern, aber auch von anderen KollegInnen. Auch wenn diese in bestimmten Bereichen unerfahren sind, haben sie trotzdem oft gute Intuitionen, Kritikpunkte und Ideen. Setzen Sie daher nicht nur auf Führungspersonen in Ihren Feedbackrunden.

Wenn die Rollen der Stakeholder klar sind und das Feedback vorliegt, gehen Sie durch die Liste der gefundenen Problembereiche. Teilen Sie diese anschließend den Stakeholdern zu, die sie zur Lösung in ihre Teams tragen. Fragen Sie nach Vorschlägen, wie das Problem gelöst werden kann und entscheiden Sie, welche Teams dafür zuständig sind. Im Idealfall listen Sie auch auf, wie viel Zeit jede der Aufgaben in etwa in Anspruch nehmen wird.

Zusammen mit den Ressourcen der einzelnen Teams legen Sie damit das Fundament für eine realistische Roadmap.

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Problemlösungen skizzieren und Grundsätze aufstellen

Fassen wir zusammen: Sie wissen, dass der Relaunch berechtigt ist. Sie haben eine Liste mit Problemzonen, die Sie mit Hilfe von Daten erstellt und nach Priorität sortiert haben. Sie kennen Ihre Budgetgrenzen für den gesamten Relaunch und haben Ideen für potenzielle Lösungen sowie Informationen dazu, wie viel diese etwa kosten.

Der nächste Schritt ist zu entscheiden, was Sie davon im nächsten Website-Relaunch berücksichtigen und in welcher Form.

Wenn Sie Ihre Liste mit Ihrem Budget abgleichen, werden Sie feststellen, dass Sie nicht alles auf einmal angehen werden können. Einiges davon muss erstmal ins Backlog verschoben werden. Meist gibt es mehr als einen Weg, ein Problem zu lösen: der einfache, der gründliche und alles dazwischen. Der Workload für jedes Problem beeinflusst die Gesamtzahl an Problemen, die Sie angehen können.

Diagramm, das die Anzahl der möglichen Korrekturen bei einem Website-Relaunch im Verhältnis zur Gründlichkeit der einzelnen Korrekturen zeigt.
Je mehr Probleme Sie lösen müssen, desto weniger Zeit können Sie auf jedes einzelne Problem verwenden

Natürlich wollen wir alle die Problemlösungen, die sowohl leicht als auch gründlich sind. Da es diese in der Realität aber nicht immer gibt, hilft es, sich den Grundlagen zuzuwenden. Den First Principles .

Ein Kompass.

Einfach gesagt, sind die First Principles grundlegende Glaubenssätze, die Sie für unumstößlich halten. Sie sind wie ein Kompass, der Ihnen zeigt, ob Ihre einzelnen Schritte in die richtige Richtung führen. Das ist besonders dann hilfreich, wenn die beste Lösung unklar ist, obwohl zahlreiche Daten vorhanden sind.

Methoden gibt es viele, aber Prinzipien sind rar. Der Mensch, der Prinzipien versteht, kann seine eigenen Methoden erfolgreich anwenden. Der Mensch der Methoden ausprobiert, aber Prinzipien missachtet, wird mit Sicherheit Probleme bekommen.

Harrington Emerson, Organisationstheoretiker

Bei einem Relaunch bedeutet das Achten der First Principles, sich die Kernelemente anzuschauen, die eine gute Website in Ihrer Branche ausmachen. Ein Beispiel dafür ist “unsere Website braucht eine intuitive Struktur” oder “leichter Zugriff auf Informationen”. Haben Sie diese Elemente erstmal erfasst, können Sie diese passend zu Ihrer speziellen Situation mischen, umbauen und anwenden.

Man könnte meinen, dass das Ergänzen von Prinzipien zu den bereits definierten Prioritäten und Kosten der Problemlösung die Sache komplizierter macht. Sie werden aber feststellen, dass diese Technik tatsächlich Klarheit schafft, statt Kopfschmerzen. Denn sie hilft Ihnen dabei, Prioritäten neu zu ordnen.

In diesem Beitrag erhalten Sie eine ausführliche Übersicht der beliebtesten First Principles für Produktdesign und -management .

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Ihre wertvollsten Seiten schützen

In Sachen SEO sind Relaunches ein zweischneidiges Schwert. Während das Updaten von Content und Links den Traffic ankurbeln kann, gehen Sie gleichzeitig das Risiko ein, hart verdiente Positionen im Google-Search-Ranking zu verlieren.

Wir haben ein paar effektive Tipps zusammengetragen, die Ihnen helfen, die Gewinne einzufahren und gleichzeitig Verluste zu vermeiden.

Definieren Sie Performance-Ziele

Wenn noch nicht geschehen, definieren Sie Traffic- und Conversion- Ziele für bestimmte Bereiche Ihrer Website (Produktseiten, Blog, etc.) oder einzelne Seiten. Letzteres ist genauer, aber zeitintensiver.

Orientieren Sie Ihre Ziele an der bisherigen Performance und stellen Sie sicher, dass sie mit Ihren allgemeinen Unternehmenszielen zusammenpassen. Wie zuvor erwähnt, ist das Abwägen von Investitionen ein Schlüssel für den Website-Relaunch.

Falls Sie gerade über das Wort “Conversion” gestolpert sind, haben Sie damit recht. Diese Kennzahl steht nicht direkt im Zusammenhang mit den Suchmaschinen-Rankings und dem organischen Traffic. Wie die SEO-Experten von Moz aber in diesem Post erklären, vereinen die beiden aber einige gemeinsame Vorteile.

Analysieren und klassifizieren Sie Ihre Seiten

Es mag selbsterklärend sein, aber die einfachste Möglichkeit, Ihre bestehenden Rankings zu schützen, ist nur das zu ändern, was wirklich Änderung bedarf. Das setzt voraus, dass Sie die Stärken und Schwächen Ihrer Website kennen. Ein SEO-Audit ist dafür ein guter Ausgangspunkt. Er versorgt Sie mit den Daten, die Sie brauchen, um an späterer Stelle datenbasierte Entscheidungen zu treffen.

Sie können die Daten des Audit nutzen, um Seiten nach Performance zu kategorisieren und zu sortieren. Es gibt zahlreiche Variablen, die Sie in die Gleichung einbeziehen können. Die wesentlichen sind Traffic und Conversion. Für eine genauere Auswertung können Sie zum Beispiel Inbound-Links, Keyword-Potenzial oder Keyword-Optimierung ergänzen – im Grunde alles, was den Traffic oder die Conversion beeinflusst.

Eine vereinfachte Klassifizierung könnte so aussehen:

SEITENATTRIBUTEWas das für Sie bedeutet
Geringer Traffic, geringe ConversionFreie Content- und Design-Gestaltung, eventuell löschen (mehr dazu später).
Hoher Traffic, geringe ConversionMit Vorsicht bearbeiten, Fokus auf Verbesserung von UX und Content.
Geringer Traffic, hohe ConversionMit Vorsicht bearbeiten, Fokus auf SEO.
Hoher Traffic, hohe ConversionMit besonderer Vorsicht bearbeiten, dies sind die wertvollsten Content-Bereiche.

Nachdem Sie einzelne Seiten in diese Kategorien einsortiert haben, können Sie sich mit deren detaillierten Eigenschaften beschäftigen. Zu wissen, wodurch sie in Sachen Traffic und/oder Conversion gestärkt werden, ist besonders hilfreich, wenn Sie es mit dem klassischen Dilemma zu tun haben, ein bereits gut funktionierendes System zu verbessern.

Die Mehrheit Ihrer Seiten wird irgendwo zwischen Top-Performern und Underdogs liegen. Das heißt, dass Sie sie nicht mit Samthandschuhen anfassen müssen. Trotzdem sollten Sie die Seiten-Performance während der Überarbeitung immer im Blick behalten.

Holen Sie mehr aus bestehendem Content heraus

Während eines Website-Relaunch gibt es im Grunde drei Optionen für jede Seite: behalten, verbessern oder löschen.

Reparieren ist in der Regel ökonomischer als zu ersetzen. Sie haben bereits Zeit in den bestehenden Content investiert. Er mag veraltet sein, aber für das SEO-Ranking können schon kleine Anpassungen die Aufmerksamkeit der Suchmaschine auf sich ziehen.

Hier finden Sie einige effektive Methoden, um Ihre On-Page-SEO zu verbessern .

Aktualisieren Sie Ihre Seitenstruktur

Wenn Ihr Content an sich gepflegt und stimmig ist, sorgen Sie nun dafür, dass er für Suchmaschinen und Besucher leicht zu finden ist. Aktualisieren Sie die grundlegende Webseiten-Architektur, also vor allem interne Links und URL-Strukturen. Zu SEO-freundlichen URLs zu wechseln ist in erster Linie eine SEO-Maßnahme, verbessert aber auch Ihre User Experience, da Inhalte für Nutzer leichter erfassbar werden.

Ein weiterer interessanter Ansatz, um mit den ständig wechselnden Suchgewohnheiten und Algorithmen umzugehen, sind Pillar-Pages und Themen-Cluster. Erstellen Sie einzelne Hauptseiten (“Pillar” bzw. Säulen), die als Startpunkt und Übersicht für verwandte Themen dienen. Dabei sind alle Seiten eines Clusters untereinander verlinkt. Neben der besseren Navigation für den Nutzer, verbessern solche Cluster die Ranking-Chancen jeder Seite, die einem Cluster angehört.

Bevor wir diesen Ansatz bei unserem eigenen großen Blog-Redesign umgesetzt hatten, mussten sich Besucher – und Google-Crawler – durch zahlreiche Seiten klicken, um den kompletten Content einzusehen. Zudem wurde nicht klar, inwieweit einzelne Artikel miteinander in Verbindung standen. Unsere neue Struktur half, die Zusammenhänge sowohl für Leser als auch Google deutlich zu machen.

Userlike Blog mit säulenbasierter Inhaltsstruktur.
Der Userlike Blog : Content aufgebaut nach Pillar-Pages.

Zuerst haben wir alle Beiträge in einer langen Liste am Ende der Seite aufgezählt. Das führt dazu, dass der komplette Content für Crawler mit einem Klick verfügbar ist. Außerdem haben wir eine Infrastruktur aufgebaut, die eine Darstellung nach Pillar-Pages ermöglicht. Der “above-the-fold” -Bereich bleibt eine Ausstellungsfläche für unsere aktuellen Artikel, eine neue Fläche darunter ist jetzt verschiedenen Kategorien gewidmet, in denen wir die besten Artikel pro Themen-Cluster präsentieren.

Setzen Sie 301-Redirects und stutzen Sie Ihren Content

Nachdem Sie Ihre Website-Struktur aktualisiert haben, wollen Sie sicherstellen, dass Ihre Besucher zu den neuen URLs geleitet werden. Dazu nutzen Sie Redirects; ein einfacher Vorgang, wie dieser Artikel zeigt.

Wenn das Problem nicht die Seiten-URL ist, sondern der Content, ist die Sache etwas komplexer. Manche Seiten sind so veraltet oder irrelevant (wenig Traffic, geringe Conversion, keine Backlinks, etc.), dass die Überarbeitung des Contents praktisch einer kompletten Neugestaltung gleichkommt. Es bleiben zwei Möglichkeiten: löschen oder an eine geeignete Quelle weiterleiten (Redirect einrichten).

Es mag unerfreulich klingen, eine Seite zu löschen. Doch in Wirklichkeit ist es eine produktive Übung, die als “Content Pruning”, also Content stutzen, bezeichnet wird. Wie beim Gartenbau, aus dem der Begriff entlehnt wurde, schafft das Zurückstutzen von toten Zweigen neuen Platz und spart Energie für neue und ausbaufähige Seiten.

Die Regel gilt für Ihren Garten genauso wie für Ihre Website. Google arbeitet mit einem Crawl-Budget . Indem Sie uninteressante Seiten löschen, erhöhen Sie die Chance, dass die Crawler wertvolle Quellen finden. Wenn es also keine gute Alternative für einen Redirect gibt, machen Sie kurzen Prozess.

Wenn Sie eine relevante alternative Seite im Auge haben, an die Sie Ihre Besucher guten Gewissens weiterleiten können, setzen Sie den Redirect.

Verbessern Sie die Website-Geschwindigkeit

Die Aufmerksamkeitsspannen werden immer kürzer und Website-Besucher nehmen Wartezeiten nur ungern in Kauf. Sie werden nicht zögern, auf den nächstbesten Zug aufzuspringen. Die Geschwindigkeit ist zum einen sehr wichtig für die UX, beeinflusst aber auch die SEO.

Hier finden Sie einige Tipps, um die Seitengeschwindigkeit anzukurbeln.

Aktualisieren Sie Ihre Sitemap

Sie können sich eine XML-Sitemap awie den Grundriss Ihres Hauses vorstellen. Sie zeigt Suchmaschinen, wo Ihre wichtigsten Seiten sind, so dass diese Ihre Website effizient crawlen können.

Sobald der Relaunch live geht, erstellen Sie eine neue Sitemap oder aktualisieren Sie die bestehende und reichen diese bei Google ein. Dieser Beitrag erklärt Ihnen alles, was Sie zu XML-Sitemaps wissen müssen.

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Ein Redesign durchführen

Bei Redesigns geht es um mehr als Ästhetik. Sie zielen darauf, die Nutzererfahrung zu verbessern und in diesem Zuge auch die wichtigsten Kennzahlen wie die Conversion Rate zu optimieren.

Wahrscheinlich wird Ihre Design-Abteilung die Elemente gestalten. Doch es ist die Verantwortung des Projektmanagers beim Website-Relaunch, das Ziel der Änderungen zu definieren, so dass die Designer wissen, was von ihnen erwartet wird. Solche Grenzen zu setzen dämpft zwar die Kreativität, werden sie allerdings zu weit gefasst, schafft das Unsicherheit und auf lange Sicht meist Unzufriedenheit bei allen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es hilft, im vor dem Redesign einen Brand-Guide zu erstellen. Neben technischen Design-Details wie Abständen, Farben und Schriftarten deckt ein solcher Marken-Leitfaden auch Themen ab wie Ihre ideale Zielgruppe, Ihre Markenwerte und den Ton.

Wenn Sie erstmal wissen, wo Sie hin möchten, können Sie konkrete Pläne für Ihr Redesign machen. Im Vergleich zu technischen und strukturellen Änderungen bergen Redesigns weniger das Risiko, das Ranking oder die Sichtbarkeit zu verletzen, es ist aber auch nicht ausgeschlossen. Wenn Sie Textänderungen planen, erhöht sich das Risiko. Wenn sich das Redesign mehr in Richtung einiger Schönheitskorrekturen bewegt, ist das Risiko entsprechend gering.

Googles Crawlers sind so gebaut, dass sie die Webseite wie ein Besucher erfassen und somit auch auf die UX achten. Allerdings haben sie sehr wahrscheinlich (noch) keinen großen Sinn für Stil und Ästhetik. Deshalb können Sie das Website-Design wirklich danach ausrichten, was Ihre Kunden mögen. Das ist letztlich auch, was Google empfiehlt:

Konzentrieren Sie sich auf den Nutzer und alles andere wird folgen.

Nr. 1 von Googles 10 Kernprinzipien

Website-Design ist ein Thema für sich. Auf alle Möglichkeiten im Detail einzugehen würde den Rahmen dieses Posts sprengen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die drei Hauptelemente , auf die häufig gesetzt wird, um den Look einer Website aufzufrischen: die Farbpalette, Schriftart und Icons.

Erneuern Sie Ihre Farbpalette

Wenn Ihre Marke bereits ein eigenes Farbschema besitzt, können Sie zunächst mit leichten Variationen experimentieren und bewerten, ob das bereits eine zufriedenstellende Veränderung ergibt. Beispielsweise, indem Sie Ihre bestehenden Farben aktualisieren. Je mehr Sie ändern, desto frischer wirkt das Design, aber es wächst auch das Risiko, dass andere Elemente nicht zum neuen Stil passen. In diesem Beitrag beschreibt die leitende Produkt-Designerin von N26 ihre Erfahrungen mit dem Redesign der Farbpalette.

Bild zeigt die fünf Phasen des Farb-Update-Frameworks
Die fünf Phasen des Farb-Update-Frameworks bei der Online-Bank N26.

Egal, wie viele Neuerungen Sie auf Ihrer Website umsetzen möchten, es zahlt sich aus, die Seiten- oder Elemente-Mockups zunächst monochrom zu halten und dann eine Farbe nach der anderen hinzuzufügen.

Für weitere Tipps und Tools empfehlen wir Wojciech Zielińskis Guide für die Farbverwendung im UI-Design . Für einen großen Strauß Inspiration schauen Sie sich diese 50 Websites und Farbschemen an .

Wechseln Sie die Schriftart

Ihre Schriftart kann eine unterstützende Funktion für Ihren Content haben oder herausstechen und selbst eine Botschaft übermitteln. Sie ist eine der beständigsten Identifikations-Marker für Ihre Corporate Identity, daher sollten Sie sie nicht alle paar Monate ändern .

Auf den meisten Websites muss Text gelesen werden, um diese zu nutzen. Es gibt viele Aspekte, die bei der Wahl einer Schriftart bedacht werden müssen: Lesbarkeit, Ästhetik, Stimmung, Motivation und technische Aspekte.

Eine neue Schriftart kann das Gesicht der Seite mit nur wenigen Zeilen Code verändern. Aber genauso wie bei den Farben gilt; je mehr Sie vom Status Quo abweichen, desto größer die Gefahr, dass etwas nicht mehr zusammenpasst. Das häufigste Beispiel ist eine größere Schriftart, die zu Zeilenumbrüchen und Rahmen-Überschreitungen in Content-Boxen führen kann.

Um die richtige Wahl zu treffen, lesen Sie diesen Evergreen-Post im Smashing Magazine .

Wählen Sie neue Icons

Icons spielen eine größere Rolle für Software-Interfaces als für Websites. Trotzdem gibt es mittlerweile kaum noch Seiten, die auf sie verzichten. Icons sind ein intuitiver Weg für die Informationsvermittlung. Sie helfen Ihren Besuchern, die Webseite zu verstehen, ohne weiteren Text lesen zu müssen.

Neben der Nutzerfreundlichkeit setzen sie auch ein Design-Statement, das seitenübergreifend sichtbar ist. Heißt: Information und Branding sind in einem winzigen Element vereint. Ähnlich wie die Schriftart haben die Mini-Grafiken einen großen Einfluss auf die Nutzererfahrung. Zum Guten oder zum Schlechten, wie diese Analyse von Googles neuen Icons zeigt.

Hier ist ein hilfreicher Guide für Iconography in Anwendungsoberflächen .

Lassen Sie sich treiben

Wie in jedem Designfeld ist auch das Webdesign ständig im Wandel. Sie müssen kein First Mover sein und jedem Trend hinterherrennen. Allerdings sollten Sie Elemente vermeiden, die ihr Haltbarkeitsdatum bereits deutlich überschritten haben.

Einige dieser No-Gos mögen nach wie vor weit verbreitet sein, wie zum Beispiel:

  • Bildergalerien
  • Web-konforme Schriftarten wie Arial und Times New Roman
  • Kompletter Fokus auf “above-the-fold”-Content
  • Wenig weiße Fläche
  • Viele Stockfotos

Um zu wissen, was gerade angesagt ist und frische Ideen zu sammeln, schauen Sie sich auf der Design-Plattform Dribbble um. Ein umfassendes Beispiel für einen Redesign-Prozess stellt Shopify-Designer Filippo Di Trapani in diesem Artikel vor .

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Digitale Kontaktkanäle hinzufügen

Nicht jede Frage kann mit dem Text auf der Webseite oder einer FAQ beantwortet werden. Viele Nutzer bevorzugen außerdem auch online eine persönliche Interaktion mit dem Unternehmen .

Ein Website-Relaunch ist die perfekte Gelegenheit, neue Kontaktkanäle zu ergänzen, da die Vorteile und Treiber für beide Projekte meist die gleichen sind:

  • Conversions steigern
  • Warenkorbabbrüche verhindern
  • Kundenzufriedenheit verbessern
  • Marke persönlicher gestalten
  • Kundendaten und -Feedback sammeln
  • Erfolgsparameter tracken
  • Wettbewerbsvorteil schaffen

Guter Kundenservice kann über zahlreiche Kanäle angeboten werden. Wahrscheinlich teilen Sie Ihre E-Mail-Adresse und Telefonnummer bereits auf Ihrer Kontaktseite. Allerdings gibt es von hier aus nicht viel Raum zu wachsen.

Deshalb fügen viele Unternehmen beim Website-Relaunch einen digitalen Kanal hinzu, der Teil der Website ist und ihren Kunden mit einem Klick zur Verfügung steht, beispielsweise Live-Chat . Dieser bietet alle Vorteile, die wir oben aufgeführt haben, und noch ein paar mehr.

  • Reduziert Servicekosten und erhöht die Effizienz
  • Erlaubt Automatisierung mithilfe von Chatbots
  • Erhöht die Mitarbeitermotivation
Userlike’s Website-Chat.

Live-Chat auf Ihrer Website einzubinden ist simpel. In diesem Video zeigen wir Ihnen, wie Sie in nur fünf Minuten loslegen können.

Erfahren Sie mehr über die Vorteile von Live-Chat oder schauen Sie sich einen umfassenden Vergleich der wichtigsten Kommunikationskanäle an.

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Daten erheben und Anpassungen vornehmen

Sie haben alle aufkommenden Hürden während des Relaunches bewältigt und Ihren Besuchern sowie Google Zeit gegeben, sich an die renovierte Website zu gewöhnen. Im letzten Schritt schauen Sie sich nun die Zahlen an. Vergleichen Sie die Parameter, die Sie zum Relaunch motiviert haben, mit den Zielen, die Sie sich zu Beginn der Planungsphase gesetzt haben.

Die Daten die Sie jetzt sammeln, sind der Ausgangspunkt für die nächsten Anpassungen Ihrer Website. Es ist wahrscheinlich über längere Zeit kein weiterer Relaunch nötig, aber bis dahin gibt es immer kleinere Schönheitskorrekturen zu verbessern. .